Meine Domain, meine Mail, mein Blog!

Selber machen, Teil 1: Die eigene Domain

Nicht erst seit den Überraschungsvorträgen vom Mann mit der bunten Frisur ist klar, dass etwas passieren muss. Es wird für die Nutzer immer wichtiger, Kontrolle über ihr Stück des Internets zu haben um auf die Veränderungen reagieren zu können. Diese Artikelserie gibt Tipps und Denkanstöße um ein gesundes Maß an Kontrolle zu etablieren und trotzdem auf nichts verzichten zu müssen. Der erste Teil erklärt Gründe und beginnt mit der eigenen Domain.

Warum das alles?

Seit geraumer Zeit wird immer deutlicher, dass die großen Anbieter im Internet ihre Macht ausnutzen und damit die Nutzer innerhalb ihrer Plattform einschließen (Platform Lock-in) und ihre Regeln diktieren wollen. Ein Beispiel dafür ist u.a. Twitters Bestreben, externe Client-Programme immer weiter zu beschneiden, sodass am Ende nur noch Twitters eigene, kontrollierte Clients vollständig funktionieren. Auch Google zeigt durch gezieltes Entfernen von populären Internet-Standards und Diensten (z.B. Exchange ActiveSync, XMPP/Jabber, Maps, Youtube, Reader/RSS), dass es eine ganz eigene, politische Agenda hat und der Nutzer eben doch die Ware und nicht der Kunde ist.

Logische Entwicklung

Auf der einen Seite kann man diese Entwicklung verstehen, müssen diese Unternehmen doch auch Geld verdienen. Andererseits ist es eben nicht im Sinne vieler Kunden, dass Dienste nach Belieben eingestellt oder für bestimmte Endgeräte nicht mehr angeboten werden. Hier werden dann hektisch Alternativen gesucht, notgedrungen und mit mehr oder weniger Schmerzen zu einem Konkurrenten gewechselt, bis auch der “evil” wird. Dass man auf regelmäßige Wechsel dieser Art bei der Vielzahl der heutzutage genutzen Dienste keine Lust hat, dürfte klar sein. Die vermeintliche Lösung: Selber machen.

Allerdings ist auch dieser Ansatz nicht unumstritten. Es wird u.a. ins Feld geführt, dass selber machen nur etwas für Nerds wäre, Otto Normalverbraucher das nicht leisten könnte. Diese Argumente kann man nicht ganz von der Hand weisen – man sollte sich aber davon auch nicht aufhalten lassen. Letztendlich hat mich Felix Neumann dazu motiviert, diese Serie endlich zu starten, um in loser Folge Informationen und Wissen zu vermitteln und diskutieren, damit mehr Nutzer in die Lage versetzt werden, selber zu machen.

Wo anfangen? Ganz am Anfang!

Einer der einfachsten aber doch sehr wirkungsvollen Schritte zu mehr Kontrolle ist die eigene Domain. Wenn man ein paar Jahre im Internet unterwegs ist, hat man wahrscheinlich schon eine Handvoll eigene Email-Adressen gesammelt. Der eigene Internet-Provider gibt einem eine, der Mobilfunk-Provider womöglich auch. Dann hat man noch diesen Freemail-Provider, ein soziales Netzwerk, den Arbeitgeber und von der Uni hatte oder hat man auch eine Adresse. Den Aufwand, solch eine Adresse zu wechseln und die neue Adresse zu kommunizieren, kann man sich vorstellen und genau das nutzen kommerzielle Anbieter auch, um einen bei sich zu halten, auch wenn man mit den restlichen Diensten nicht so zufrieden ist.

Mit einer eigenen Domain hat man diesen Aufwand noch genau ein einziges Mal – man behält sie im Idealfall ein Leben lang. Emails kann man einfach immer zu dem Anbieter weiterleiten lassen, den man aktuell für Email benutzt – am eigenen Vorgehen ändert sich erstmal also nichts. Ist man unzufrieden mit dem Email-Anbieter, kann man schnell und einfach wechseln und passt die Weiterleitung einfach an.

Was versteht man unter einer Domain?
Domains sind Namensadressen im Internet, so wie z.B. “bottek.com“. Über diesen einfach zu merkenden Namen können dann verschiedene Dienste angesprochen werden, z.B. Websites, Email usw. Typische Domain-Endungen sind .com oder .de, es gibt aber noch sehr viele mehr. Weitere Informationen bei Wikipedia.

Eigene Domain vs. eigene Sub-Domain
Bei vielen Diensten bekommt man vermeintlich eigene Domains gleich gratis mit dazu, z.B. “meinname.wordpress.com“. Hierbei handelt es sich zwar um Domains, aber eben nur um Sub-Domains – in diesem Falle zur Haupt-Domain “wordpress.com“. Wenn ich in diesem Artikel von eigenen Domains spreche, so meine ich damit stets Haupt-Domains, sogenannte Top-Level-Domains, denn nur dann gehört einem die Domain auch selbst.

Die eigene Domain kann aber muss nicht den eigenen Namen tragen und wird so auch einfach für andere zu merken. Und mit einer Domain kann man auch gleich die ganze Familie mit eigenen Email-Adressen versorgen, so lassen sich auch die Kosten verteilen.

Microsofts Outlook.com sowie Googles Gmail erlauben das direkte Einbinden von eigenen Domains, sodass man die eigene Domain bei diesen Diensten auch direkt als Absender verwenden kann. Cashy hat dies für Outlook.com beschrieben, der Webbi erklärt es für Gmail. Andere Anbieter inklusive Apples iCloud erlauben nicht direkt eigene Domains, mit etwas Konfiguration klappt das aber auch mit diesen Anbietern.

Meine Empfehlung also: Registrieren Sie Ihre eigene Domain!

Mehr Freiheit mit der eigenen Domain

Man gewinnt mit der eigenen Domain also mehr Flexibilität und damit mehr Freiheit u.a. bei der Wahl des Email-Dienstes. Dass diese Domain also ein zentrales und wichtiges Element ist, dürfte klar sein. Insofern ist es gut, dass man auch bei der Registrierung der Domain selbst nicht auf einen Anbieter reduziert ist. Wenn man den Anbieter wechseln möchte, so geht dies. Allerdings sollte man sich auch hier die Anbieter genau ansehen, denn man möchte ja nicht mit der eigenen Domain erpresst werden.

Die Anbieter sind hier durchaus sehr unterschiedlich und einige der besonders großen und lauten Anbieter lassen sich mit der Bearbeitung von Vorgängen gern viel Zeit, vor allem wenn man von ihnen weg möchte. Zusätzlich sollte man schauen, was man wirklich benötigt – gern werden einem alle möglichen Dreingaben mitgegeben, die man im besten Falle nicht braucht oder versteht, im schlimmsten Falle Folgekosten oder Aufwand erzeugen und damit alles unnötig verkomplizieren. Auch sollte man nicht auf die vermeintlich niedrigen Preise hereinfallen. Folgt man dem Kleingedruckten sieht man schnell andere Preise nach ein paar Monaten, künstliche Verknappung (“nur noch X Tage”), hohe Einrichtungs- oder sogar Versandkosten oder weitere Abonnements (z.B. Antiviren-Scanner) – das relativiert manch groß geschriebenen Mini-Preis relativ schnell, also Augen auf!

Ein Anbieter, den ich aus persönlicher Erfahrung empfehlen kann ist SERVERAREA.COM. Hier wird bewußt auf versteckte Kosten und unnütze Gadgets verzichtet. Für jede Größe gibt es ein Angebot und individuelle Fragen lassen sich unkompliziert erörtern. Wenn Sie also wie oben beschrieben erstmal nur den ersten Schritt tun und eine eigene Domain registrieren möchten, so können Sie das hier mit dem Paket “Domain Basis” tun. Andere kleine und große Anbieter finden sich im Netz wie Sand am Meer. Hier eine kleine Auswahl: 1&1 Strato Goneo One Hostgator GoDaddy Host Europe Loomes

Das wars schon?

Natürlich nicht – da geht noch viel mehr. Es ist aber wichtig, erst einmal mit einer eigenen Domain Flexibilität und damit Kontrolle zu gewinnen. Alle weiteren Schritte können dann darauf aufbauen. In den nächsten Artikeln werde ich u.a. die Theman Email, Kalender, Kontakte und auch das eigene Blog behandeln. Fragen, Anmerkungen und Kritik finden in den Kommentaren Platz.

2 thoughts on “Meine Domain, meine Mail, mein Blog!

  1. Pingback: Meine Domain – weg von 1&1 | Bottek.com

  2. Das ist ja man eine super Idee als Artikelserie! Bitte weiter machen! (Mich freut auch, dass ich Teil eins schon abgehakt habe. Eigene Domain ist gesichert.)

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