Carsharing im Test – Überblick, Vergleich und Tipps

Update 1: spotcar GmbH mit Anmerkungen
Update 2: Elektro-Fahrzeuge und Reichweite
Update 3: Reaktionen

Update 3: Spotcar stellt Dienst ein

Wie hätten Sie es denn gerne? Klassisch, flexibel, privat – Free-Floating oder Stationsbasiert – Tag-, Nacht- oder Wochenendtarif – oder gleich ganz autonom? Verwirrt? Kann ich verstehen – aber so kompliziert ist es nicht. Ein Überblick und Vergleichstest über das Carsharing-Angebot, angereichtert mit Tipps und Hinweisen. Schwerpunkt: Free-Floating.

Irgendwann entschied sich mein in die Jahre gekommenes Auto, seinen Dienst für immer einstellen zu wollen. Wie es sich gehört, tat es das mit der entsprechenden Prise Drama – Stichworte: Autobahn, Nacht, Wochenende, Regen. Und außerdem hatte ich befreundete Improvisationstheater-Spieler mit dabei, welche sich nach einem Auftritt entsprechend geschafft auf ihr Bett freuten.

Zum Glück bin ich ein Wenig-Fahrer. Das Auto stand Wochentags meist in der Tiefgarage – zur Arbeit ging es mit direkter Verbindung mit dem Metro-Bus – an Wochenenden, bei schlechtem Wetter und bei anderen Situationen durfte das dann Auto ran. Insofern war der tagtägliche Schmerz überschaubar und ich hatte die Möglichkeit, mich nach Alternativen umzusehen und diese auszuprobieren, und wenn es nur vorübergehend wäre.

Ich lebe in Berlin und hier kann man den typischen Carsharing-Anbietern quasi nicht entgehen. Man sieht sie hin und wieder, wenn man darauf achtet sogar ständig. Berlin gilt insgesamt als Versuchsfeld dieser Branche, insofern hat man hier also ein gutes Testfeld. Allerdings unterscheiden sich die Modelle der Carsharing-Anbieter und man muss sich genau ansehen, was man braucht und welche Vor- und Nachteile diese haben. Steigen wir ein…


 

Klassisches Carsharing

Wird auch als Stationsbasiertes Carsharing bezeichnet. Hier gibt es typischerweise feste Stationen, an denen man die Fahrzeuge abholt und wieder zurückbringen muss. Gebucht werden die Fahrzeuge über die Website oder Smart Phone Apps. Dabei wird üblicherweise die Mietdauer vorher festgelegt, man kann in Grenzen verlängern.

Europcar, Sixt, Hertz, Avis, Starcar, Flinkster (Bundestarif)
Wo:
Deutschlandweit an Flughäfen, größere Bahnhöfe, Stadtzentren
Kostenstruktur: Tageweise Vermietung, Specials für Wochen und Wochenende
Vorteile: Deutschlandweit, verschiedene Fahrzeugklassen, Stationen haben meist ausgeweitete Öffnungszeiten, One-Way-Fahrten gegen Aufpreis möglich
Nachteile: Stationsbasiert, Öffnungszeiten, Tageweise Anmietung relativ teuer

Flinkster (Lokaltarif)
Partner: Bahn
Wo: Deutschlandweit an Flughäfen, größere Bahnhöfe, Stadtzentren
Kostenstruktur: monatliche Grundgebühr, Stunden- oder Tageweise Abrechnung zzgl. Kilometer
Vorteile: weit verbeitet, verschiendene Fahrzeugklassen
Nachteile: Stationsbasiert, Öffnungszeiten, Kostenzusammensetzung aus Zeit und Kilometer

Cambio/Stadtmobil
Wo: Stationen über die Stadtgebiete verteilt
Cambio: Aachen, Berlin, Bielefeld, Bonn, Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Hamburg-Metropolregion, Jülich, Köln, Oldenburg, Saarbrücken, Wuppertal
Stadtmobil: Berlin, Hannover, Rhein-Ruhr, Rhein-Main, Trier, Rhein-Neckar, Karlsruhe und Stuttgart
Kostenstruktur: monatliche Grundgebühr, Stunden- oder Tageweise Abrechnung zzgl. Kilometer, verschiedene Tarife
Vorteile: Fahrzeuge können mit der Chip-Karte abgeholt und abgegeben werden – keine Öffnungszeiten notwendig, Stationen auch in Wohnregionen, Rabatte wenn man Abonnent des lokalen ÖPNV-Anbieter ist
Nachteile: Stationsbasiert, teilweise verwirrende Tarifstruktur, gemeinsamer Auftritt teilweise verwirrend

Citeecar
Partner: Kia?
Wo: Berlin, Frankfurt, Hamburg, München, Ruhrgebiet (neu), Stationen sind bei privaten “Gastgebern”, Freischaltung der Fahrzeuge per Karte, Fahrzeuge Kia Rio
Kostenstruktur: Stundenweise Abrechnung zzgl. Kilometerpauschale
Vorteile: Fahrzeuge in Wohnnähe, Benzinkosten inklusive, man kann sich selbst als Gastgeber bewerben
Nachteile: Stationsbasiert, Buchungen und Abrechnungen in Halbstundenschritten, Tarifstruktur kompliziert

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CiteeCar Carsharing
Price: Free

Quicar
Partner: Volkswagen
Wo: Hannover
Kostenstruktur: 6€ pauschal für 30 Minuten, danach 0,20€/Minute, 0,10€/Minute Parken, Mindestabnahme 30 Minuten
Vorteile: viele Stationen “in & um Hannover”, Benzinkosten inklusive, Fahrzeuge Golf BlueMotion, mittel-lange Fahrten (1 Stunde) profitieren von Pauschale
Nachteile: Stationsbasiert, Mindestabnahme von 30 Minuten macht kurze Fahrten teuer

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Book-n-Drive
Partner: Bahn
Wo: Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz, Rhein-Main
Kostenstruktur: verschiedene Tarife auch ohne Monatsgebühren, Mindestabnahme 1 Stunde + Kilometerpreis, Bsp. 1 Stunde + 10 Kilometer Monatsgebührenfrei: 7,70€
Vorteile: viele Stationen, Benzinkosten inklusive, verschiedene Fahrzeuge vom CityFlitzer bis Transporter, Stundenweise Buchung möglich, Kooperation mit Flinkster und car2go
Nachteile: Stationsbasiert, komplizierte Preisberechnung aus Tarif, Zeit und Kilometer, keine Einwegfahrten

book-n-drive
Price: Free
book-n-drive
Price: Free

 

Free-Floating Carsharing

Hier gibt es normalerweise keine Stationen. Man findet die Autos über die Smart Phone Apps oder über die Websites, geht einfach hin, fährt wohin man möchte und lässt das Fahrzeug am Ende innerhalb der Geschäftsgebiete dort stehen, wo man möchte – Parkgebühren sind normalerweise schon inklusive. Man kann auch per App oder Website ein bestimmtes Fahrzeug reservieren, sodass man nicht umsonst zum Auto läuft. Das ist sehr flexibel, so muss man vorher nicht wissen, wie lange man das Fahrzeug benötigt oder wo genau man es abstellen möchte. Die Abrechnung läuft üblicherweise über Zeit bzw. über Kilometer oder eine Kombination von beidem. Die Anbieter unterscheiden sich in ihrer Verfügbarkeit, den Fahrzeugen sowie den Kosten. Benzin ist aber immer schon inklusive, d.h. man muss nicht tanken.

car2go
Partner: Daimler, Europcar
Wo: Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart, Ulm – außerdem: Wien, Amsterdam, Rom, Florenz, Mailand, Calgary, Montreal, Toronto, Vancouver, Austin, Columbus, Denver, Los Angeles, Miami Minneapolis, Portland, San Diego, Seattle, Washington
Kostenstruktur: 0,29€/Minute, max. 14,90€/Stunde, max. 59€/Tag, 0,19€/Minute Parken, 19€ Anmeldung (siehe Angebot unten), tägliche Abrechnung – als Firma/Selbständiger auch Monats- und Gruppenrechnung möglich
Zahlungsmethoden: Kreditkarte, Lastschrift
Vorteile: weite Verfügbarkeit, meiste Fahrzeuge (zumindest in Berlin), größtes Geschäftsgebiet (zumindest in Berlin), Smarts passen auch in die kleineste Parklücke, neuerdings auch Elektro-Fahrzeuge im Kontingent, Führerscheinvalidierung an car2go- und Europcar-Filialen, 30 Minuten Reservierungszeit
Nachteile: nur 2-Sitzer-Smarts, begrenzter Kofferraum-Platz, mittel-langer Fragendialog bei Mietbeginn, keine Zeitpakete verfügbar, man fühlt immer etwas wie “Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten”, Autoradio mit blecherndem Sound und ohne Bluetooth/AUX-Anschluß

car2go
Price: Free
car2go
Price: Free

DriveNow
Partner: BMW, Sixt
Wo: Deutschland: Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg, München – USA: San Francisco
Kostenstruktur: 0,31€/Minute (MINI, MINI Clubman, MINI Countryman, BMW 1er, BMW ActiveE, MINI Cabrio im Winter), 0,34€/Minute (BMW X1, MINI Cabrio im Sommer), 0,15€/Minute Parken, 29€ Anmeldung (siehe Angebot unten), Zeitpakete verfügbar, tägliche Abrechnung
Zahlungsmethoden: Kreditkarte, Lastschrift
Vorteile: weite Verfügbarkeit, viele Fahrzeuge, verschiedene Fahrzeugarten und Klassen u.a. Cabrios (über App auch filterbar), mit BMW ActiveE auch Elektro-Fahrzeuge im Kontingent, Führerscheinvalidierung an car2go- und Sixt-Filialen, Zeitpakete erlauben günstigere Minutenpreise, Fahrzeuge fühlen sich nach richtigen Autos an, Autoradio je nach Fahrzeug unterschiedlich ausgestattet – Sound aber immer okay
Nachteile: verschiedene Fahrzeugarten bedeuten immer auch eine kurze Eingewöhnungszeit während die Uhr läuft, langer Fragendialog bei Mietbeginn, 15 Minuten Reservierungszeit

DriveNow Carsharing
Price: Free
DriveNow Carsharing
Price: Free

Multicity
Partner: Citroen, Bahn, BVG
Wo: Berlin
Kostenstruktur: 0,28€/Minute, 9,90€ Anmeldung, Zeitpakete verfügbar, monatliche Abrechnung
Zahlungsmethoden: Kreditkarte, Lastschrift
Vorteile: viele Fahrzeuge, reine Elektro-Fahrzeuge, Führerscheinvalidierung im Flinkster Stadtbüro, teilnehmenden CITROËN-Händlern, in BVG-Servicecentern oder Hotel-Kooperationspartnern, Zeitpakete erlauben günstigere Minutenpreise, Fahrzeuge sind Prinzipbedingt extrem leise – erinnern an ICE-Züge, kein Fragendialog, Autoradio-Sound ist okay – Bluetooth-Anbindung möglich
Nachteile: 15 Minuten Reservierungszeit, kein Parken-Tarif, Navigationssystem von Garmin stammt irgendwie aus einer anderen Zeit, Website-Angaben teilweise veraltet: BVG-Servicecenter existieren teilweise nicht mehr oder haben andere Öffnungszeiten oder es fehlen Unterlagen

Multicity Carsharing
Price: Free
Multicity Carsharing
Price: Free

Spotcar
Wo: Berlin
Kostenstruktur: 0,69€/Kilometer, 0,15€/Minute Parken, 29,90€ Anmeldung (siehe Angebot unten)
Zahlungsmethoden: Lastschrift
Vorteile: Stau-freundliche Abrechnung pro Kilometer, sportliche Autos (Opel Adams)
Nachteile: Führerscheinvalidierung nur im Flagshipstore (Bismarckstr. 4), zeitbasierter Parken-Tarif, keine Zeit/Kilometer-Pakete, noch relative wenige Fahrzeuge (100), noch nicht in den Meta-Carsharing-Apps (siehe unten) enthalten

Update 3:
Spotcar stellt per 11.05.2015 den Dienst ein.

Update 1:
Die spotcar GmbH hat sich bei mir gemeldet und die nachfolgenden Anmerkungen mitgeteilt. Die Angaben oben wurden entsprechend angepasst.

- Wir sind OEM-unabhängig, also gehören nicht Opel. Wir haben uns selber für die Opel Adams entschieden.
– Kunde-wirbt-Kunde: Der Werbende bekommt für den Neukunden 5 Frei-Kilometer; der Geworbene erhält 50% auf die Anmeldegebühr (zahlt also nur 14,95 EUR)

Spotcar-Angebot: 50% auf Anmeldegebühr sparen!
Einfach folgenden Promotion-Code bei Anmeldung eingeben: “OD69SR“.


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Tipps & Hinweise

Parkplatzsuche
Laut einer Umfrage von APCOA verbringen die Deutschen im Schnitt ca. 10 Minuten und 4,5km mit der Parkplatzsuche – bei jedem Parkvorgang. Da speziell beim Free-Floating-Carsharing die Zeit und/oder die Kilometeruhr mitläuft, zahlt man hier also auch. Mein Tipp: Da man sowieso in den seltensten Fällen direkt vor dem Ziel einen Parkplatz bekommt, sollte man auch nicht erst ab dort anfangen zu suchen. Ruhig schon etwas vor dem Ziel suchen und dann den erstbesten Parkplatz nehmen. Ein “besserer” Parkplatz kostet immer mehr Zeit und damit Geld und ob man nun vorwärts oder zurück zum Ziel laufen muss, ist auch egal.

Hier spielen übrigens die Smarts von car2go ihre Stärke aus. Erstens passen diese auch in sehr kleine Parkplätze und können auch schon mal quer hingestellt werden. Außerdem hat car2go mit Abstand die meisten Kunden und daher ist das Risiko erwischt zu werden geringer, wenn man das Fahrzeug mal auf einen halb legalen Platz stellt – der nächste Kunde kommt bestimmt gleich…

mehrere Anbieter parallel nutzen
Wenn man regelmäßiger mit Carsharing unterwegs ist sollte man sich möglichst bei mehr als nur einem Anbieter anmelden. Sie unterscheiden u.a. sich in ihren Tarifen, den Fahrzeugen und der Anzahl der Kunden. So kann man den Anbieter für den jeweiligen Zweck oder Verfügbarkeit wählen – zumal die meisten Anbieter auch Tarife ohne monatliche Gebühren haben.

In Berlin z.B. hat Multicity zwar weniger Fahrzeuge als car2go und DriveNow, scheinbar aber auch wenige Kunden, sodass man meist noch ein Multicity-Fahrzeug bekommt, wenn die anderen schon alle weg sind.

Meta-Carsharing-Apps
Keine Krankheit sondern ein Segen, wenn man bei verschiedenen Anbietern angemeldet ist. Hier bekommt man auf der Karte die Fahrzeuge von den wichtigsten Anbietern zusammen angezeigt und kann auch direkt mit einem Klick reservieren. Die Apps unterscheiden sich in der Liste der unterstützen Anbieter.

Car Jump
Anbieter: car2go, DriveNow, Multicity, Citeecar, Cambio, nextbike

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MeMobility
Anbieter: car2go, DriveNow, Multicity, Flinkster, Call-A-Bike, Tamyca
Bald auch: Citeecar, Cambio, nextbike, Quicar

Mobility Map
Anbieter: car2go, DriveNow, Multicity, Tamyca, nextbike
ohne direkte Buchung: Call-a-Bike, Flinkster, Cambio, Stadtmobil, Greenwheels, Quicar, Citeecar, enjoy

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Mobility Map
Price: Free

FreeCars
Anbieter: car2go, DriveNow, Multicity

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Update 2:
Elektro-Fahrzeuge und Reichweite
Prinzipbedingt kann man mit diesen Fahrzeugen nicht einfach an jeder Tankstelle aufladen und außerdem haben sie eine deutlich begrenztere Reichweite. Das sollte man bei längeren Strecken oder gar Fahrten außerhalb des Geschäftsgebietes berücksichtigen und immer vorher einen Blick auf die verbleibenden Restkilometer werfen. Wer hier sicher gehen möchte nimmt lieber ein Fahrzeug auf Benzin/Diesel-Basis, denn mit denen kann man eben einfach überall Nachtanken. Mit persönlich ist es letztens passiert, dass ich es mit einem Elektro-Fahrzeug von Multicity sprichtwörtlich mit dem letzten Tropfen zurück ins Geschäftsgebiet zum Abstellen geschafft habe. Glücklicherweise standen dort dann gleich auch noch Fahrzeuge von anderen Anbietern – aufregend war es trotzdem. Die Warnung bezüglich der möglichen Restkilometer sollten hier vor allem außerhalb von Geschäftsgebieten deutlich stärker ausfallen – bei Multicity blinkt dann nur ein Teil der Tankanzeige, was wirklich nicht stark auffällt.

 


 

Fazit

Das Carsharing, vor allem die Free-Floating-Anbieter sind eine Bereicherung. Wenn es einmal wieder Probleme beim ÖPNV gibt, kann man so auch immer überlegen die Kosten des Fahrscheines lieber in eine Fahrt mit einem der vielen Free-Floatern zu investieren. Diese Flexibilität erkauft man sich mit höheren Kosten und am Ende des Geschäftsgebietes ist auch Schluss mit der Flexibilität. Trotzdem setzen immer mehr Menschen auf’s Carsharing.

Wie seht Ihr das? Nutzt Ihr selbst Carsharing und wenn ja, welche Form und Anbieter? Was denkt Ihr darüber und welche Tipps und Tricks habt Ihr vielleicht? Für mich jedenfalls hat sich die Anmeldung bei den Diensten bisher gelohnt und ich hoffe, dass dieser Artikel etwas Übersicht bringt und ein paar Stolpersteine zu vermeiden hilft.


Update 3:

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